Pfeifenhaus Bill ~ Ihr Pfeifenmacher
 

Viel Spaß bei der Leseprobe  „Vom Rauch der Jahrhunderte“

Pentecost – Prediger gegen den Rauch

Dr. Pentecost (*...), einer der berühmtesten Prediger gegen das Rauchen im 19.Jahrhundert machte in allen seinen Predigten scharfe Ausfälle gegen das Rauchen und predigte in so genialer Weise, dass ein Zuhörer das Rauchen aufgab. Fünf Jahre später traf er zufällig mit Dr.Pentecost zusammen, der eine dicke Zigarre im Munde trug.

„Sie rauchen?“ fragte der seinerzeit Bekehrte völlig perplex. „Gewiss,“ lachte der Prediger, „und warum sollte ich nicht?“ „Weil Sie der eifrigste Gegner des Rauchens sind und ich vor fünf Jahren durch eine Ihrer Predigten vom Rauchen geheilt wurde.“ „Ach ja, fünf Jahre sind eine lange Frist,“ meinte Dr.Pentecost lachend, „und seitdem bin ich vernünftiger geworden!“

Goethe und das Rauchen

Johann Wolfgang von Goethe ( 1749 – 1832 ), größter deutscher Schriftsteller, der ausgewiesene Spezialist in Dichten und Denken war ein absoluter Tabakhasser. Er steht aber mit seiner Meinung recht allein in der Welt seiner damaligen Schriftstellerkollegen. An die Tabakfeindlichkeit Goethes erinnert der Historiker Heinrich Luden in seinem Lebensrückblick: „Das Rauchen,“ sagt Goethe, „ macht dumm, es macht unfähig zum Denken und Dichten.“

Damit verdrängte der berühmte Weimarer Tabakgegner die Tatsache, dass sein so geschätzter Partner und Freund Friedrich von Schiller gerne dem Tabakgenuss frönte.

Pichlers Touristenerfahrung

Anton Pichler (*1920...), Tourist auf Reisen in Tirol, sah einen sechsjährigen Jungen in Gegenwart seiner Mutter Wasserpfeife rauchen. Die Mutter wurde von ihm auf die schädliche Wirkung des Rauchens in so jungem Alter aufmerksam gemacht. Die Antwort: „Ach was, raucht der Fritz, dann frisst er weniger!“

Priem oder Hemd?

„Auf der Höhe von Gravesend, 24.3.1813“ „Lieber Bruder Tom! Dieser Brief trifft Dich hoffentlich in guter Gesundheit an, wie er mich verlässt, der ich hier seit gestern vier Uhr nachmittags sicher vor Anker liege, nach einer hübschen Reise, die erträglich kurz war und ein paar Mal Sturm brachte. Lieber Tom, ich hoffe, dass unser guter alter Vater wohlauf und rüstig ist. Ich muß Dir mitteilen, dass ich gar keinen Priem mehr habe. Ich sah in Gravesend danach, fand aber nur miserables, schlappes Zeug. Der Schiffsjunge wird Dir diese Zeilen bringen lieber Tom und den Priem einstecken, wenn Du ihn gekauft hast. Den besten in London bekommt man beim „Schwarzen Mann“, in sieben Schlingen gerollt.

Geh dorthin und frage nach dem besten Priem; ein Pfund wird genügen. Ferner bin ich knapp an Hemden, lieber Tom. Ich nahm ja zwei Hemden mit auf die Fahrt, und damit ist eines ganz abgetragen und taugt nichts mehr; aber vergiß vor allem den Priem nicht. Ich habe seit Donnerstag schon keinen mehr! Was die Hemden betrifft, lieber Tom, so wird Deine Breite passen, nur sollen sie länger sein. Ich habe die Hemden gern lang und sollte jetzt ein neues haben. Gut und billig bekommst Du es im Tower Hill.

Aber vor allen Dingen geh zum „Schwarzen Mann“, lieber Tom und laß Dir ein Pfund vom besten siebenteiligen Priem geben und sorge dafür, dass er gut ist. Der Schiffsjunge soll ihn mir bringen; aber er ist selbst versessen auf Priem. Binde das Päckchen also gut zu! Lieber Tom, diesen Montag geht’s wieder los, irgendwo hin. Es ist mir nicht so wichtig mit dem Hemd, da das jetzige ja gewaschen werden kann, aber vergiss nicht den Priem. Ich verlasse mich darauf und bin Dein Dich liebender Bruder. PS: Vergiss nicht den Priem!“

Deutsch und die rettende Zigarette

Alfred Deutsch ( 1909 – 1975 ), Hauptfeldwebel der früheren Wehrmacht, berichtete dem Autor einmal die nachfolgende Anekdote: „Es war im eiskalten Winter 1944 / 1945, wir waren auf dem Rückzug und befanden uns schon in Ostpreußen, unter dem ständigen Trommelfeuer der Roten Armee und suchten in allen nur möglichen Erdlöchern Unterschlupf um am Leben zu bleiben.

Man hatte mich zum Kompanieführer gemacht, da alle Offiziere meiner Kompanie bereits gefallen waren und ich selbst nicht einmal wusste, wo denn der Rest der Kameraden sich verkrochen hatte. Das stundenlange Trommelfeuer der sogenannten „Stalinorgeln“ ebbte plötzlich und unerwartet ab und es trat ein großes Schweigen ein. Ich lag allein in einem riesigen Granatloch als plötzlich aus Richtung Osten das grölende Brüllen, ein lautes „Urrä!“ der sowjetischen Soldaten erklang.

Das Loch zu verlassen und in Richtung Westen zu laufen kam mir nicht in den Sinn. Überrollen lassen, dachte ich nur, und dann versuchen, sich zu den deutschen Linien durchzuschlagen. Das Brüllen und Panzerrasseln kam immer näher und ich drückte mich flach an die Erde um möglichst nicht aufzufallen. Plötzlich kullerte ein anderer Mensch in dieses Loch, er war wohl oben an der Kante weggerutscht und lag jetzt vor mir. Erst dachte ich, es sei einer der Kameraden der sich auch in Sicherheit bringen wollte, aber dann erkannte ich an der Pelzmütze im über uns hinweg ziehenden Pulverdampf den kleinen roten Stern und die gefütterte, abgesteppte Jacke brachte die Erkenntnis, dass ich einem „Feind“ gegenüber lag. Aber offensichtlich war er ebenso erschrocken wie ich und wir starrten uns beide an. Vielleicht waren wir gleichaltrig, ich weiß es nicht mehr.

Neben mir lag meine Maschinenpistole, seine eigene Waffe hatte er bei dem Sturz unter sich begraben. Keiner sagte ein Wort während oben brüllend die Massen der Soldaten weiterliefen. Ganz langsam griff ich in die rechte äußere Jackentasche, einen Mantel hatte ich trotz der Kälte nicht, und holte ein Schachtel Zigaretten, ich glaube die Marke hieß „Attika“, hervor, schnippte daran und hielt sie ihm hin.

Mir war gar nicht wohl zumute in diesem Augenblick. Mit zitternden, ebenfalls klammen Händen, griff er nach der Schachtel, zog eine Zigarette heraus; wir steckten die Köpfe zusammen und ich gab ihm und mir mit meinem Sturmfeuerzeug in der hohlen Hand Feuer. Unsere Gesichter wurden vom flackernden Licht kurz beleuchtet. Ja, wir konnten gleichaltrig sein, dachte ich. Stumm zogen wir an unseren Zigaretten und plötzlich drehte er sich auf die Seite. Ich dachte schon, er wolle jetzt seine Waffe nutzen, aber er kroch den Granattrichter mit der Waffe ganz langsam hoch, drehte noch einmal seinen Kopf zu mir, nickte, und war verschwunden. So rettete mir eine Zigarette das Leben. In einem Gegenangriff unserer Soldaten wurde ich später aus meinem Loch befreit.

Es waren die schlimmsten Stunden meines Lebens gewesen.“